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Freitag, 20. April 2007

Schlafen

So, nun mal ein Posting zum Thema Schlafen. Achtung, es wird lang ;-)

Mit unserer Maus haben wir ja extremes Glück. Wir legen sie abends hin (sie schläft beim Gute-Nacht-Fläschchen ein) und morgens wird sie glücklich plappernd wach. Von anderen Müttern lese ich andere Storys. Also: 3 x auf Holz klopfen.

Dann bin ich ja öfters auch bei Urbia im Forum unterwegs. Es ist immer wieder herrlich zu lesen, wie sich die Mütter dort die "Köpfe einschlagen" wenn es um das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" geht. Den diversen Postings konnte ich entnehmen, dass es in dem Buch vorallem um die sogenannte Ferber-Methode geht, bei der man das Kind wach ins Bett legt und den Raum verlässt. Wenn das Kind schreit, lässt man es eine Weile, geht dann wieder in das Zimmer und beruhigt das Kind, verlässt das Zimmer wieder und lässt es dann länger schreien, bis man wieder reingeht etc. Viele Mütter (und bis dato auch ich) sind der Meinung, dass Schreien lassen keine sinnvolle Methode sein kann. Das Kind lerne lediglich, dass das einzige ihm zur Verfügung stehende Kommunikationsmittel keine Wirkung erzielt (wie z.B. Trost der Mutter) und dass sowieso kein Kind grundlos schreit. Soweit so gut. Der Meinung war ich im Groben ja auch. Weiterhin hieß es, dass Herr Ferber, der diese Methode entwickelte, mittlerweile auch bereute, diese Methode empfohlen zu haben. Frau Kast-Zahn, die zusammen mit einem Kinderarzt dieses Buch schrieb, hat wohl auch noch die Zeiten, die man das Kind schreien lassen soll, ausgeweitet. Nun denn, mich interessierte es ja nicht weiter, da mein Kind ja gut schlief.

Nun war es dann aber so, dass Anna abends eben nicht mehr beim Gute-Nacht-Fläschchen einschlief sondern wach blieb. Wach ins Bett legen ergab: lautes Geschrei. Marcus und ich verzweifelten an der Situation, denn egal, ob wir sie nur streichelten und mit ihr redeten, ob wir sie auf den Arm nahmen, mit in unser großes Bett nahmen, egal was wir taten, Anna schrie mindestens 1,5 Stunden, in denen wir uns mit ihrer Betreuung (und diversen Tröstversuchen) abwechselten. War sie dann irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen, schlief sie auch brav wieder durch bis morgens.

Ich besprach dies mit unserer Krankengymnastin, ob sie denn vielleicht eine Idee haben könnte, was Anna abends hat. Sie empfahl mir o.g. Buch. Auf meinen Einwand hin, dass dieses Buch ja umstritten sei und ich eigentlich nicht mein Kind schreien lassen möchte, frug sie mich nur, was Anna denn tut, wenn ich sie schuckele, streichel, tröste etc. Hm, - klar, sie schreit. Ich erhielt einen interessanten Vortrag darüber, dass jeder Mensch beim Einschlafen den Tag verarbeitet, in dem er z.B. seine Gedanken sortiert. Auch hat jeder Mensch - insbesondere im Kindesalter - eine Methode entwickelt, die ihm hilft einzuschlafen. Das kann z.B. sein, dass man mit den Fingern in den Haaren locken dreht oder an der Bettdecke noch rumknispelt. Anna kann ihre Gedanken noch nicht sortieren und auch muss sie für sich selbst erst lernen, eine Methode zu entwickeln, selbst zur Ruhe zu kommen. Daher schreit sie erst mal. Wenn Mama und Papa dann anfangen, mit ihr durch die Gegend zu schuckeln und alles Mögliche auszuprobieren, dann kann sie erst recht nicht zur Ruhe kommen und wird mit weiteren Reizen überflutet. Klingt auch logisch. Sie empfahl mir, das Buch zu lesen, denn auch ich kann nur dann die Methode anwenden, wenn ich selbst auch dahinter stehe. Babys spüren, ob ihre Eltern sicher sind in ihren Handlungen oder ob sie selbst unsicher sind.

Also hab ich mir das Buch besorgt. Noch am selben Tag gelesen und abends dann gleich angewendet. Also erst mal steht in dem Buch immer wieder, es geht nicht darum, das Kind unkontrolliert und lange schreien zu lassen sondern eben nur wenige Minuten (beim ersten Mal 3, dann 5 dann immer 7 Minuten). Dann geht man 2 Minuten rein zum Kind und versichert ihm, dass alles in Ordnung ist, dass es nun aber schlafen muss.

Ich hab für mich die Zeiten geändert: 1-2-3 Minuten. Ich ging also raus, Anna schrie. Ich ging nach 1 Minute rein, Anna wurde ruhig. Ich streichelte ihr den Kopf und sagte ruhig aber mit fester Stimme: "Was ist denn los, mein Schatz? Alles ist in Ordnung. Mama ist hier, Papa ist da und Du kannst jetzt in Ruhe einschlafen. Gute Nacht mein Schatz" und dann ging ich wieder raus. Anna schrie. Nach 2 Minuten wiederholte ich vorgenanntes. Das ganze wiederholte sich 5 x. Dann war Ruhe und Anna schlief. Statt 1,5 Stunden Geschrei und genervte Eltern konnten wir nach 15 Minuten abschalten :-)

Laut dem Buch (es steht ja noch viel mehr drin, als nur meine kurze Abhandlung hier) dauert diese Methode ca. 1 Woche, dann schlafen die Kinder sofort auch ohne Geschrei. Wir mussten diese Methode 3 Abende anwenden. Nun lege ich Anna wach ins Bett und die Maus ist ruhig und schläft ein. Dies nun schon seit 1,5 Wochen :-)

Allen Gegnern dieser "Schreien-lass-Methode" sei gesagt: tagsüber lass ich sie viel öfter mal und auch länger schreien, z.B. wenn ich dusche oder Wäsche in den Keller bringe...

Jetzt muss Anna noch lernen, auch tagsüber besser zu schlafen. Da macht sie nämlich nie wirkliche Schläfchen sondern eher mal hier ein 5-Minuten-Nickerchen und dort eins. Nun lege ich sie seit 3 Tagen in ihr Bett, wenn ich merke, dass sie müde ist. Und auch hier habe ich nun eine Einschlafhilfe für die Maus gefunden: Ich gebe ihr ein Spucktuch, dies zieht sie sich immer über den Kopf. Schnuller rein (den nimmt sie seit 3 Tagen wieder) und Kuschelhund auf den Bauch. Nach 1 Minute schläft die Madame. Hoffe, es klappt auch weiterhin so gut:

5 Kommentare:

Susi Sonnenschein hat gesagt…

Hi, ich will hier ja keine Grundsatzdiskussion über dieses Buch anfangen, vor allem, weil ich es nicht gelesen habe und weil es jeder selber wissen muß. Außerdem kennst du dein Kind besser als jeder andere und kannst sicher beurteilen, wie weit du mit so einer methode gehen kannst.
Aber ich habe es immer geschafft, Bens Schreien abzustellen, indem ich habe Schreien lassen - allerdings habe ich ihn immer in den Arm genommen, mich mit ihm ins Bett gelegt, alles abgedunkelt und ihn machen lassen. Nach einer Viertelstunde war immer Ruhe. Aber darum geht es hier nicht.
Das Tückische an dem Buch finde ich, daß es impliziert, daß jedes Kind mit dieser Methode schlafen lernt. Dem ist aber nicht so. Ich weiß, daß es bei Ben nicht funktionieren würde, und ich will es auch nicht ausprobieren. Das Gefährliche dabei ist, daß es auch Eltern gibt, die diese Methode auf Teufel komm raus funktionieren lassen wollen - und dann das Ganze so weit treiben, daß das Kind vollkommen traumatisiert ist und Angst bekommt vor dem Schlafengehen.
Ich werd es weiterhin so machen, daß ich Bens Händchen halte, leise Musik anmache (der Spieluhmond fliegt definitiv raus!!) und warte, bis er eingeschlafen ist. Was funktioniert, wenn er keine Bauchschmerzen hat.

claudia hat gesagt…

ich habe das glück, dass lena vor dem schlafen eigentlich nicht weint. seit kurzem reibt sie jetzt immer die äuglein und dann weiss ich, dass zeit ist ins bett zu gehen. dann wird sie gestillt und dann schläft sie normalerweise innerhalb von 5 minuten ein.

ich hab auch schon viel über dieses buch gehört, selber aber noch nicht gelesen. meine hebamme schwört darauf. ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, dass es bei lena funktionieren würde

Alexandra hat gesagt…

Danke für Eure Antworten. Eine Grundsatzdiskussion will ich auch nicht - es wird immer bei gespaltenen Antworten bleiben. Ich finde es nur schade, dass Frauen, die bei Urbia nachfragen, aufs Übelste beschimpft werden, sobald es um dieses Buch geht. Wenn es keine Probleme gibt bzw. wenn - wie bei Euch - die Situation durch Euch als o.K. eingestuft wird, dann braucht man dieses Buch auch nicht. Wenn man aber schier verzweifelt - so wie ich, denn Anna ließ sich auch nicht auf/in meinen Armen beruhigen - dann finde ich es in Ordnung, wenn man auch ein umstrittenes Buch liest. Und ich muss sagen, ich hatte einen völlig falschen Eindruck über das Buch gewonnen gehabt (dank Urbia). Meine Tochter hat die Methode ja wunderbar verkraftet. Sie hat nun kein Trauma und auch hat sie nicht verlernt, Schreien auch weiterhin als Kommunikationsmittel einzusetzen. Aber wenn Eltern auf dem Zahnfleisch gehen, sollte man auch alternative Methoden ausprobieren. Und ich wollte eben nicht zu denen gehören, die jeden Abend Auto fahren... Ich gebe Dir recht Susi, dass es Eltern geben kann, die die Methode falsch anwenden bzw. übertreiben. Das gilt aber immer und in allen Bereichen. Ob es nun Beikost ist oder was auch immer, es wird immer Eltern geben, die etwas "falsch" machen. Deswegen ist aber eine Methode an sich nicht verkehrt, oder? Und wenn es Dir und Ben dabei gut geht, dass ihr abends Händchen haltet, bis er schläft, ist es doch wunderbar und Du brauchst das Buch sicherlich nicht lesen :-)
Übrigens, ich war auch skeptisch, ob es bei Anna funktionieren würde... da ich so positiv überrascht war, schrieb ich ja auch meinen Erfahrungsbericht.

Susi Sonnenschein hat gesagt…

Das ist es ja: jedes Kind ist anders. Es gibt Kinder, bei denen das die richtige Methode ist. Außerdem gehe ich jetzt mal davon aus, daß du sie nicht ewig schreien läßt. Manchmal habe ich den Eindruck, daß es Mütter gibt, die das Buch lesen und das Hirn ausschalten. Ich habe auch schon gehört, daß auch sonst sehr viele gute Tipps drin stehen, die jetzt nichts damit zu tun haben, das Kind schreien zu lassen.
Also: auf daß eure Nächte so bleiben :-)

Alexandra hat gesagt…

Nein, ich lass sie keinesfalls ewig schreien (tut mir selber viel zu sehr weh, das zu hören). Ich hatte max. 3 Minuten und die gehen schneller rum als man meint. Wie gesagt, tagsüber, wenn ich dusche oder mal in den Keller gehe und sie schreit, dann kann es sogar länger dauern...
Während sie aber 1,5 STUNDEN geschrien hat, wenn wir bei ihr blieben und sie streichelten, trugen, trösteten etc. War dann wohl zuviel des Guten :-)